Veronika Harcsa – Bálint Gyémánt spielen Tell Her (Traumton)

Veronika Harcsa – Bálint Gyémánt spielen Tell Her (Traumton)

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time 19:00

16. November 2017

Als im Frühjahr 2014 das erste Duo-Album von Veronika Harcsa und Bálint Gyémánt erschien, löste es bei Presse und Publikum begeisterte Reaktionen aus. Die weitgehende Reduktion auf Gesang und Gitarre lassen die Songs von Lifelover ungewöhnlich transparent, direkt und intim klingen, gleichzeitig begeistert das Duo mit einer stilistischen Spannweite von Jazz bis zu kunstvollen Popfacetten. Vor allem aber fesselt Harcsas ungewöhnlich variable Stimme. Wenn sie durch Oktaven tänzelt, Tempi variiert oder halsbrecherische Scat-Kapriolen schlägt, vereint sie herausragendes Talent und juvenilen Esprit. „Harcsa is an amazingly versatile musician, a brilliant vocalist and gifted entertainer in the best sense. She has found her very own thing and performed it on a high level with great impact.” (allaboutjazz.com)

Zwischen der Veröffentlichung von Lifelover und dem neuen Album Tell Her ist eine Menge passiert. Wo mancher zunächst die erreichten Erfolge feiern würde, suchen Harcsa und Gyémánt beständig nach künstlerischem Fortschritt. „Wir haben sehr viel live gespielt, währenddessen über die Musik reflektiert und sie konstant weiterentwickelt“, sagt Veronika Harcsa, „so fanden wir zu einem noch umfangreicheren musikalischen Vokabular.“ Und, lässt sich hinzufügen, zu einer klugen Balance, die kraftvolle Aussagen trifft, indem sie ruhigere Momente zulässt. „Bei Lifelover experimentierten wir viel mit Klängen, die ich mit meiner Stimme erzeugen kann“, erinnert sich Harcsa. Inzwischen setzt sie ihre vielen Klangfarben noch pointierter und souveräner ein.

Die neuen Songs zeigen durch kompositorische Raffinesse und kluge Details eine Verfeinerung des Ausdrucks. Besonders fällt die couragierte Ausweitung der Dynamik auf. Veronika Harcsa und Bálint Gyémánt loten jene substantielle Tiefe aus, die leisen Passagen und langen Noten inne wohnt. Darin spiegelt sich auch Harcsas Beschäftigung mit anderen Projekten, die im Klassik-Bereich angesiedelt sind. Der Song Give Time beispielsweise ist von J.S. Bachs Cello Suiten inspiriert. Gleichzeitig steuerte Jeremy Friedman als Produzent Ideen bei, erweiterte das Klangspektrum behutsam durch Schwebe-Sounds oder Loops. „Wir wollten mit jemandem arbeiten, der mehr als wir selbst im Studio zuhause ist und sich daher ständig mit Soundmöglichkeiten beschäftigt“, erklärt Harcsa, „Jeremy lernte ich kennen, als ich während meiner Konzertserie in Berlin mit seinem Vater, dem Vibraphonisten David Friedman spielte.“ Auch Balint Gyémánt war schnell überzeugt: „Jeremy erfasste intuitiv unser Ziel, einen komplexen und modernen Sound zu kreieren.“

Obwohl Veronika Harcsa Musik und Texte der meisten Songs schreibt, legt sie Wert darauf, dass die Stücke letztlich eine Gemeinschaftsarbeit sind. Essentiell für den Sound des neuen Albums ist zweifellos, dass der virtuose Bálint Gyémánt nun ausschließlich akustische Gitarre spielt, wodurch Tell Her insgesamt ein wenig mehr Richtung Singer/Songwriter-Ästhetik rückt. Gyémánt hat klassische und Jazz-Gitarre studiert und erhielt 2007 als erster ungarischer Student ein Stipendium der Academy of Music Oslo.

Veronika Harcsa ist eine passionierte Europäerin. Sieben Jahre vor dem Fall des eisernen Vorhangs in Budapest geboren, schätzt sie bis heute offene Grenzen. Seit Jahren pendelt sie zwischen Ost und West, spricht Ungarisch und Englisch, Französisch und Deutsch. In Serbien und Rumänien war sie länger unterwegs, am Brüsseler Konservatorium absolvierte sie ihren Master, arbeitete mit Musikern aus Belgien und der Schweiz. Dass auf Tell Her nun erstmals ein traditionelles ungarisches Stück zu hören ist, hat indirekt mit Harcsas vielen Beschäftigungen und Reisen zu tun. „Vetettem violát habe ich als Kind gelernt”, erklärt sie. „Ich verbringe viel Zeit im Ausland und liebe die vielfältigen kulturellen Einflüsse. Gleichzeitig fühle ich mich zunehmend mehr mit der Schönheit meiner ungarischen Wurzeln verbunden. Deswegen entschieden wir, dieses Lied aufzunehmen.“

Mit ihrem neuen Album Tell Her zeigen Veronika Harcsa und Bálint Gyémánt entschlossenen Gestaltungswillen, der unmittelbare, lebendige Ausstrahlung und  strukturelle Gedanken vereint. Hinzu kommen Harcsas poetische, englische Texte. „Eigentlich hast du als Künstler zur Zeit kaum eine Chance, nicht auf die gesellschaftlichen und politischen Vorgänge zu reagieren. Trotzdem sind meine Songs diesmal vor allem von persönlichen Erlebnissen geprägt, die mich emotional stark beschäftigt haben“, sagt Harcsa. Dazu gehören Abschiede und Verluste in der Familie, aber auch glückliche Ereignisse. „Wenn man sich über so intensive Dinge mit anderen Menschen unterhält, kann man nicht drumherum reden. In der Musik lassen sich solche Themen dagegen verarbeiten und ausdrücken, ohne allzu konkret zu werden.“ Auch wenn Harcsas Texte nicht direkt politisch Stellung beziehen, ist die Haltung des kosmopolitischen Duos klar. Zuletzt engagierte sich die Sängerin in Budapest bei einem Projekt, das aktiv und spielerisch zum Abbau von Angst vor Fremden beitrug. Schließlich ist auch die Stile übergreifende Musik von Veronika Harcsa und Bálint Gyémánt ein lebendiges Plädoyer für Offenheit und Modernität.

Einlass: 19:00 Uhr
Beginn: 20:00 Uhr
Eintritt: 14,00 EUR AK
VVK:    12,00 EUR
VVK bei Eventbrite

“Virtuoses Zusammenspiel trifft auf Soundbewusstsein” NDR, Jazzalbum der Woche
„Hitverdächtig“ MDR Kultur
“Eine der besten jungen europäischen Sängerinnen […] Ein makellos schönes Album jenseits aller Kategorisierungen, zeitgemäß, wundersam und komplemplativ.” Jazzpodium
“Sämtliche elf Songs gleichen einer Wundertüte aus struktureller Klarheit, kluger Reduktion und poetischen Lyrics mit politischen Zwischentönen.” Jazzthing

„Faszinierend karg und kraftvoll zugleich“ Audio
„Frei nach dem Motto „weniger ist mehr“ sind die 11 Stücke minimal instrumentiert, um der variablen und aussagekräftigen Stimme von Veronika ein weites Betätigungsfeld zu liefern. Zwischen Jazz, Pop und Klassik ist es ein Vergnügen, ihrer vokalen, emotionalen und poetischen Ausdruckskraft zu lauschen.“
inMusic
“Veronika Harcsa unterstrich einmal mehr, was für eine wandelbare und kristallklare Stimme sie besitzt: Sie kann zwitschern wie ein Vogel, Koloraturen singen, verfügt aber auch über eine beachtliche Tiefe, die sogar das raue Timbre afroamerikanischer Jazzsängerinnen streift. Ein feiner Auftritt […].” Weserkurier zum Auftritt in der Bremer Glocke
„Veronika kann gut und gern als die jüngere Schwester von Joni Mitchell oder Sara K durchgehen. Aufregend furchtlos.“ Märkische Allgemeine
„Tell Her was definitely worth the wait.“ Hifi Critic