Historie

Ballhaus Berlin

Das Ballhaus Berlin entstand in Feuerland. So nämlich nannte der Volksmund einst die Chausseestraße, in der sich die Fabriken der Gründerzeit mit rauchenden Schlöten, Funkenschlag und Gehämmer aneinanderreihten, inmitten einer Halbwelt aus Armenhäusern, Friedhöfen und kärglichen Arbeiterwohnsiedlungen. Später lösten sie preußische Kasernen und Berliner Mietskasernen ab. Und mit ihnen kam das Ballhaus Berlin, das zunächst als Gasthaus und Kaffeegarten „Zum Alten Baden“ 1905 in der Chausseestraße 102, dem damaligen „Chausseepalast“, eröffnete. Als Schwankes Festsäle überstand es dann die Kriegs- und Revolutionswirren und erlebte die große Zeit der Amüsiertempel und „Pläsierkasernen“, die in den späten 20ern in Berlin begann und heute in TV-Formaten wie Babylon Berlin Legende ist. Die Chausseestraße hatte sich inzwischen vom Armenviertel zur City des Nordens verwandelt – tagsüber quirlige Geschäftsgegend und am Abend Vergnügungsmeile für jedermann. Bis der Krieg dem Feiern ein Ende machte.

Das Ballhaus überlebte trotzdem. 1949 eröffnete es neu, als Behrens Casino. Auf dem Programm nun „der gemütliche Altdeutsche Ball“, täglich außer Montag und Dienstag, bis das Haus 1975 Volkseigentum wurde. Restauriert und als „Ballhaus Berlin“ neu getauft erlebte es unter der Leitung des Ehepaars Gottschlich goldene Zeiten: mit Paartanz unter der Discokugel, Telefonflirt und Damenwahl, Schaumwein und Whiskey Cola, bei 1 Million Ostmark Umsatz jährlich, bis es nach der Wende langsam immer weniger wurde. 2014 erfolgte schließlich die Übergabe an das heutige Ballhaus-Team, das dem Charme des Hauses nach dem ersten Besuch sofort verfallen war. Die Idee, die über hundertjährige Tradition zu bewahren und auf einer Reise in die Zukunft mitzunehmen, war ebenso schnell geboren. Und tatsächlich würde ein Besucher von einst die behutsam restaurierte Architektur sofort wieder erkennen, mit Balkon und Wendeltreppe, Leuchten und Tischtelefonen, Bar und Discokugel aus über hundert Jahren Ballhausgeschichte. Auch die alten Geister, ob mit Zwicker oder Charlestonkleid, Kreissäge oder Wasserwelle, schweben hin und wieder durch den Raum. Wir sorgen dafür, dass sie hier bleiben.

Bierstube Alt Berlin

Die Bierstube Alt Berlin war nicht immer hier, sie stand eigentlich ganz woanders. Zwei Kilometer entfernt, in der Münzstraße Nr. 23, am Straßenstrich, der dem Etablissement seit den 20er Jahren den Spitznamen „Zu den 3 Ritzen“ und ein buntes Publikum aus oft zwielichtigen Nachtschwärmern bescherte. Hier überlebte die 1893 eröffnete Bierstube Alt Berlin – von einer Plünderung abgesehen – die Bombennächte des Weltkriegs und kam später unter DDR-Verwaltung. Ab 1960 wurde sie unter Leitung der Eheleute Heinz und Inge zu einer der Szene-Adressen im Ost-Berliner Nachtleben. An ihrem Tresen strandeten Berthold Brecht, Stars und Sternchen des Friedrichstadtpalasts und viele mehr, die etwas auf sich hielten.Der gute Ruf der Bierstube überlebte auch die Wende. Nun waren es Szeneberliner, Touristen oder Künstler und Wahlberliner wie David Bowie oder Quentin Tarantino, die einen, meist nicht ganz so, „schnellen Schluck bei Heinz und Inge“ nahmen und ihre Liebe zu Sol-Ei und Boulette entdeckten. Nach Heinz Tod gab Inge 2010 den Staffelstab an den Badenser Thilo Link ab. Doch obwohl die Bierstube weiter boomte war 2014 Schluss – zumindest im Haus Münzstraße 23, für das ein Investor nun andere Pläne hatte. Alte Stammgäste retteten Stühle, Tische, Wandpaneele und Rückbuffet vor der Abrissbirne. Das Ballhaus-Team brachte sie 2016 Hand in Hand mit dem alten Charme und dem guten Geist des Hauses in die Chausseestraße 102, wo sich nun zwei einst unscheinbare Lagerräume zum neuen Alt Berlin verwandelten. Nach der Wiedereröffnung am 27. Mai 2016 stellte sich dann auch das Publikum wieder ein.

Die Bierstube Alt Berlin ist also wieder in der Gegenwart angekommen, mit immer durstigen Stammgästen, 20er-Jahre-Liebhabern und neugierigen Besuchern aus aller Welt. Selbst William „Captain Kirk“ Shattner ließ sich schon aus Montreal hierher beamen.

Hostel Ballhaus Berlin

Eröffnet 1997 ist das Hostel Ballhaus Berlin nicht nur eins der ältesten Deutschlands sondern dank seiner Gründerzeitgeschichte auch eins der schönsten. Dort, wo es heute Touristen aus aller Welt empfängt, führte seit 1912 der Berliner Georg Albert Fuchs (1883-1951) ein florierendes Unternehmen mit über 100 Angestellten. Die Schmidt & Fuchs GmbH fertigte „zahnärztliche Geräte und Instrumente“ und hydraulische Möbel und verkaufte sie quer über den Globus. Sie machte ihren Eigentümer zu einem wohlhabenden und angesehenen Mann. Kriegswirtschaft und Bombenhagel brachten die Geschäfte in den 40er Jahren zum Erliegen. Das Vorderhaus mit den Wohnräumen der Familie Fuchs wurde ganz zerstört. 

Nach Georg Fuchs Tod führte seine Frau Edith das Unternehmen als Ladengeschäft für Zahnarztbedarf weiter. Doch zwangen sie der Mauerbau und die Wirtschaftsbedingungen der DDR schließlich zur Firmenaufgabe. Im 2. Stock der Fabrik fand 1951 bis 2009 die Gemeinde der im Krieg ausgebombten Gnadenkirche ihr Zuhause, Seite an Seite mit einer Begegnungsstätte für Russlanddeutsche. Noch heute erinnern die grün-weiß glasierte Klinkersteinfassade, die breiten Treppenaufgänge und langen Flure an die bewegte Geschichte des Gebäudes. Die moderne Ausgestaltung der Räumlichkeiten mit Werken zeitgenössischer Künstler schafft den Bezug zu Gegenwart. Hier finden sich Arbeiten von Jim Avignon, Ella Guru, Kai Stuth, Steffen Seeger, Ellen von Unwerth und El Bocho.

Kaffeestube alt berlin

Die Kaffeestube Alt Berlin wurde am 27. Mai 2018 eröffnet. Die Café-Tradition hat im Ballhaus Berlin aber schon eine viel längere Geschichte. Sie reicht zurück bis in die Gründerzeit, als um 1900 im Vorderhaus des Ensembles Chausseestraße 102, dem damaligen „Chausseepalast“, rechts neben dem Torbogen das „Café und Conditorei Eugen Mraschny“ eröffnete. Im Untergeschoss des Hotels Albeck und mit einem Konzert- und Speisehaus an seiner Seite liefen die Geschäfte bis zum Krieg wohl exzellent. Schließlich bildete ein Besuch im Kaffeehaus auch an der Chausseestraße seit den Zwanziger Jahren den klassischen „Auftakt zum Abendvergnügen“. Erst als das Vorderhaus einem Bombenangriff zum Opfer fiel, zog Betreiber Eugen Mraschny in die Chausseestraße 32 um, wo verschiedene Pächter sein Haus später weiterführten.

Von der alten „Conditorei Mraschny“ im Vorderhaus des Ballhaus-Ensembles sind allerdings noch eindrucksvolle Fotografien erhalten, Ähnlichkeiten mit der Kaffeestube Alt Berlin sind rein zufällig…

Ballhaus Biergarten

Ein kleiner Biergarten war hier schon immer, er gehörte zum „Konzert-und Speisehaus“, dass einst im Vorderhaus der Chausseestraße 102 seinen Sitz hatte. Doch so ruhig und idyllisch wie Hof und Biergarten des Ballhauses heute an einem lauwarmen Sommertag erscheinen, war es hier nicht immer. Im Gegenteil. In den Zwanziger Jahren schoben sich dort, wo heute Tische, Terrassenmöbel und die Fragmente der Berliner Mauer stehen, von früh bis spät die Lieferwagen der Fabrik „Schmidt & Fuchs” durch den Hof, beladen mit hydraulischen Stühlen, Zahnarztlampen und OP-Tischen, vorbei an hämmernden und schraubenden Angestellten. Von der Straße her ertönte noch bis 1918 das Klingeln und Stiefelklappern der vorbeimarschierenden Soldaten der benachbarten Maikäferkaserne. Und wenn sich der Abend verneigte, nahmen die ersten Nachtschwärmer bereits Kurs auf Schwankes Festsäle im Hinterhaus, um sie nicht selten lärmend und lachend im Morgengrauen wieder zu verlassen. Zum großen Lärm kam das berüchtigte Zwielicht der Berliner Hinterhöfe. Schließlich trennte das viergeschossige Vorderhaus den heutigen Hof vom Leben und Schein der offenen Straße. 

Die hier untergebrachten Etablissements und die Wohnung des Fabrikeigentümers Fuchs wurden durch alliierte Bomber in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs dem Erdboden gleichgemacht. Und so blieb es: Der Biergarten des Ballhauses bildet noch heute die letzte verbliebene Baulücke in der Chausseestraße.